Fachklinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung
Orthopädie (AHB)
 

37242 Bad Sooden-Allendorf

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Künstliche Hüftgelenke

von Dr. med. Petra Brückner

Künstliche Hüftgelenke: „Was kommt danach?“

Arthrose oder auch Verschleißerkrankung der Knie- und Hüftgelenke stellt in Deutschland eine
Volkskrankheit dar.

Etwa 5 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter arthrosebedingten Beschwerden.
Die Häufigkeit arthrotischer Gelenkveränderungen nimmt zwangsläufig mit steigendem Alter zu
und pro Jahr werden in Deutschland ca. 120000 künstliche Hüftgelenke eingesetzt.

Das Altern stellt heutzutage keinen von Verlust und Rückzug geprägten Lebensabschnitt dar.

Menschen über 60 üben im allgemeinen eine sportliche Betätigung aus, sind an Bildung interessiert
und nehmen aktiv am sozialen Leben teil. 

Eine schwere Arthrose an den Hüftgelenke n, die zur Immobilität zwingt, ist mit dieser
Lebenseinstellung der Senioren unvereinbar.

Durch die Implantation künstlicher Hüftgelenke wird die schmerzfreie Gelenkfunktion so
wieder hergestellt, dass die Voraussetzungen für die gewünschte Freizeit- und
Lebensaktivität geschaffen sind. 

Unter dem Eindruck der Fallpauschalen wird sich voraussichtlich die Dauer des stationären
Aufenthaltes in der orthopädisch-operativen Klinik nach Einbau künstlicher Hüftgelenke bei
ca. 7-8 Tagen einpendeln. 

Um so wichtiger ist im Anschluss für die z. T. betagten Patienten/innen die stationäre Anschlussheilbehandlung zwecks Stabilisierung des Operationsergebnisses. 

Die Zielstellung der Anschlussheilbehandlung nach Versorgung mit künstlichen Hüftgelenke n
besteht in der Gesundung des operierten Patienten, Erreichen eines stabilen Gangbildes, sicherem Treppensteigen sowie ausreichender Laufausdauer, auch außer Haus.

Bestmögliche Beweglichkeit der operierten Hüftgelenke wird angestrebt und parallel dazu
eine muskuläre Stabilisierung der Gesäß- und Beinmuskulatur der operierten Extremität. 

Inhalte der stationären Rehabilitation bei künstlichen Hüftgelenke n: 

1. Krankengymnastik nach Implantation künstlicher Hüftgelenke

Die Patienten/innen mit künstlichen Hüftgelenke n erhalten täglich einzelkrankengymnastische Übungsbehandlungen zu Lande.

Unter Beachtung der Belastungsvorgaben durch den Operateur führt die/der Krankengymnast/in
mit dem/der operierten Patienten/in täglich Laufübungen an Unterarmgehstützen im
3- oder 4-Punkte-Gang durch und schult dabei Körperselbstwahrnehmung und Haltung.

Da die meisten Patienten mit künstlichen Hüftgelenke n zu Hause einige Treppen steigen
müssen, gehört auch das sichere Treppensteigen im Wechsel- oder Nachstellschritt zu den Behandlungszielen. 

Der Therapiegarten bietet die Möglichkeit, das Laufen außer Haus auf unterschiedlicher
Bodenstruktur (Kies und Sand) sowie bergauf und bergab sicher zu erlernen. 

Ein prototypischer Autositz wird genutzt, mit dem/der operierten Patienten/in mit künstlichen
Hüftgelenke
n das gelenkgerechte Ein- und Aussteigen in das Auto in unserer Turnhalle zu
üben. 

Das selbständige Autofahren wird im allgemeinen nach Entwöhnung von den Unterarmgehstützen
– spätestens 3 Monate nach dem Einbau der künstlichen Hüftgelenke – erlaubt. 

Bei stabiler und leistungsfähiger Becken- und Beinmuskulatur finden auch Übungen zur
Verbesserung von Balance, Koordination und Stabilisation auf dem Therapiekreisel Einsatz. 

Sobald die Operationswunde abgeheilt ist, beginnen Übungen im warmen Bewegungsbecken. Die Übungen werden als Einzel- oder Gruppentherapie durchgeführt. Im Bewegungsbad summieren
sich die positiven Effekte von Aufhebung der Eigenschwere und Wärmeanwendungen. 

Die Patienten/innen mit künstlichen Hüftgelenke n führen im Bewegungsbad kontrollierte
Laufübungen bzw. kontrollierte Abspreizbewegungen unter Fixierung am Handlauf aus.
In Rückenlage werden Abspreizbewegungen gegen Wasserwiderstand und Kraulbeinschlag durchgeführt. Brustschwimmen mit typischem Beinschlag verbietet sich bei künstlichen
Hüftgelenke
n bis zur Beendigung des dritten Monates nach der Operation.

2. Medizinische Trainingstherapie nach Implantation künstlicher Hüftgelenke:

Operierte Patienten/innen mit einer guten körperlichen Leistungsfähigkeit können auch an
einer indikationsgerechten Medizinischen Trainingstherapie teilnehmen.
Mit der Trainingstherapie
wird angestrebt, die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit und den muskulären Status zu verbessern.
Die Einweisung in den Trainingsbereich geschieht als Einzeleinweisung durch
geschulte Diplomsportlehrer.

Dabei wird ein spezielles Trainingsprogramm für die oberen Extremitäten und die nicht
operierte untere Extremität angeboten. Die Integration des operierten Beines in das
Trainingsprogramm geschieht, da die Patienten/innen inzwischen in sehr kurzem
Zeitabstand nach der Operation zur Anschlussheilbehandlung kommen, außerordentlich
vorsichtig und nur im Einzelfall.

Als Übung für das operierte Bein nach Einbau künstlicher Hüftgelenke eignet sich in
ausgewählten Fällen

-         Training auf dem Laufband,

-         Training am Seilzuggerät,

-         Übungen an der Beinpresse. 

Die Frage nach geeigneten sportlichen Aktivitäten nach Versorgung mit künstlichen
Hüftgelenke
n wird oft gestellt. Als geeignete Sportarten werden Schwimmen, Radfahren, Wandern, Paddeln und Rudern betrachtet.

Bedingt geeignet sind Skilanglauf, Jogging, Golfspielen und Tischtennis.

Ungünstig für künstliche Hüftgelenke sind Ballspiele mit hohen Lauf- und Sprungbelastungen
sowie Tennis, durch die auftretenden Stoß-, Scher- und Drehbelastungen. Technisch geübte
Spieler mit guter Bewegungskontrolle können Tennis eingeschränkt durchführen.

Alpiner Skilauf bringt aufgrund der hohen Sturz- und Verletzungsgefahr ein besonderes Risiko
mit sich. Geübte Skifahrer mit guter Technik und gutem Trainingszustand können in
ausgesuchtem Gelände überdurchschnittliche direkte Gelenkbelastungen gering gehalten.

Zu den nicht geeigneten Sportarten mit zählen alle Sprungdisziplinen der Leichtathletik und Turnen.

3. Ergotherapie nach Implantation künstlicher Hüftgelenke:

In der postoperativen Rehabilitation stellt die Ergotherapie einen unverzichtbaren wichtigen
Bestandteil dar.

Zu den Aufgaben der Ergotherapeuten gehört es, sämtliche activities of daily living mit dem/der
frisch operierten Patienten/in zu besprechen, unter Beachtung von korrekten Bewegungsmustern. 

Trotz guter Aufklärung in den Akutkliniken besteht nach Ersatz der Hüftgelenke häufig noch
große Unsicherheit, welche Belastung und Alltagsaktivität erlaubt bzw. nicht erlaubt ist. 

Deshalb wird bereits am ersten Aufenthaltstag eine schriftliche und persönlich-mündliche
Information über Verhaltensregeln nach Einbau künstlicher Hüftgelenke durch die Ergotherapeuten vermittelt, um so möglichen Komplikationen (Ausrenken des Gelenkes) vorzubeugen. 

Alltägliche Dinge wie

-         An- und Ausziehen,

-         richtiges Treppensteigen,

-         richtiges Sitzen (mit Keilkissen),

-         richtige Schlafposition,

-         richtiges Ein- und Aussteigen in und aus dem Bett,

-         richtiges Bücken

-         sowie das An- und Ausziehen von Schuhen und Strümpfen

werden besprochen und geübt. 

So soll der/die operierte Patient/in in die Lage versetzt werden, alle Tätigkeiten des täglichen Lebens sicher und ohne Gefahr einer Gelenkluxation durchzuführen. 

Dieses ADL-Training (activities of daily living) umfasst auch die individuelle Hilfsmittelberatung,
das Üben mit den Hilfsmitteln und Einleiten der notwendigen poststationären Versorgung.

Üblicherweise werden folgende Hilfsmittel von Hüft-TEP-Patienten dankbar angenommen:

  • Strumpfanziehhilfen

  • lange Schuhlöffel, elastische Schnürsenkel

  • Toilettensitzerhöhung

  • ggf. Badebrett oder Duschhocker

  • Greifzange (helfende Hand)

  • Keilkissen (um eine 90°-Beugung des operierten Hüftgelenkes im Sitzen zu vermeiden)

  • Antirutschstopfen unter die vorhandenen Stützen (bei späterer Nutzung von
    Bewegungsbädern)

Wird im Gespräch erkannt, dass behindertengerechte Umrüstungen auch im häuslichen
Umfeld des/der Patienten/in notwendig sind, werden diese besprochen, unter
Klinikverhältnissen erprobt und die entsprechende Ausstattung des häuslichen Umfeldes
bereits während der Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet. 

4. Orthopädietechnik nach Implantation künstlicher Hüftgelenke:

Alle notwendigen speziellen orthopädietechnischen Versorgungen werden während der Rehabilitationsmaßnahme eingeleitet und durch einen in der Klinik tätigen
Orthopädiemechaniker schnell realisiert.  

  • Dazu gehören:
    Absatzerhöhungen
    Schuhzurichtungen
    manchmal spezielle orthopädietechnische Hilfen (Fußheberschienen,
    kniegelenkstabilisierende Orthesen) falls in seltenen Fällen postoperativ
    Lähmungen aufgetreten sind

5. Ärztliche Betreuung nach Implantation künstlicher Hüftgelenke:

Der Rehabilitationsmediziner kontrolliert und koordiniert im Sinne eines Supervisors den gesamten Verlauf der Anschlussheilbehandlung bei künstlichen Hüftgelenke n.

Er ist verantwortlich für den ganzheitlichen Ansatz des Therapieprogrammes und gibt auch Empfehlungen für ein Anschlussprogramm im häuslichen Umfeld. 

Häufig hat der/die Arthrose- bzw. Endoprothesenpatient/in einen schmerzbedingten langen
Leidensweg mit Mobilitätseinschränkung hinter sich.

Umfassende Aufklärung und vertrauensvolle Arzt-/Patienten/innen-Gespräche sind deshalb
nötig, um den Abbau von Bewegungsangst und die Aufgeschlossenheit gegenüber den Therapieprogrammen zu bewirken. 

Zur umfassenden Information zum „Leben mit dem Kunstgelenk“ zählt auch das sensible
Ansprechen zur Durchführbarkeit sexueller Aktivitäten nach Endoprothetik des Hüftgelenks. 

Durch eine erfolgreiche Operation mit nachfolgender rehabilitativer Maßnahme kann im allgemeinen
die Medikamenteneinnahme, insbesondere von schmerzlindernd wirkenden Medikamenten
reduziert, in den meisten Fällen sogar gänzlich eingestellt werden. 

Zum Ende der Rehabilitationsmaßnahme sollte für jede/n Patienten/in ein klarer Medikamentenfahrplan, unter dem Motto „so wenig wie möglich, so viel wie nötig“ besprochen werden. 

Nicht selten weisen TEP-Patienten/innen aufgrund ihres Lebensalters vielfältige
Begleiterkrankungen auf. Diese sind im Rahmen der Therapieplanung zu berücksichtigen und
zeitgleich zu behandeln. 

Sollte in Einzelfällen, aufgrund der Polymorbidität, die Rückkehr in die eigene Wohnung unter
den Bedingungen der Selbstversorgungsfähigkeit nicht möglich sein, wird von der Rehabilitationseinrichtung die häusliche Betreuung oder der lückenlose Übergang in eine Versorgungseinrichtung organisiert. 

Im allgemeinen wird durch den Einbau künstlicher Hüftgelenke und die anschließende
komplexe rehabilitative Behandlung unter stationären Bedingungen die gewünschte aktive Lebensgestaltung wieder möglich und eine deutlich verbesserte Lebensqualität auf
physischer, psychischer und sozialer Ebene geschaffen. 

Viele Patienten/innen im berufstätigen Alter können nach der Versorgung mit künstlichen
Hüftgelenke
n und anschließender stationärer Rehabilitation ihrer früheren Berufstätigkeit
wieder nachgehen. 

Sollten Sie Fragen im Zusammenhang mit einem geplanten Ersatz Ihrer Hüftgelenke oder zur Nachbehandlung haben, beraten wir Sie gern.

Beste Wünsche für Ihre Gesundheit 

Dr. Petra Brückner
Chefärztin der Orthopädischen Abteilung

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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