Fachklinik für Physikalisch-Rehabilitative Medizin und Schmerzbehandlung
Orthopädie (AHB)
 

37242 Bad Sooden-Allendorf

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Arthrose 

- wenn Knie- und Hüftgelenke geplagt sind -

von Dr. med. Petra Brückner

Inhalt:
Arthrose – Einleitung
Arthrose – Ursachen
Arthrose – Klinisches Bild
Arthrose – Behandlung  

Arthrose - Einleitung

Die Arthrose, oder auch Verschleißerkrankung der Gelenke, stellt in Deutschland eine Volkskrankheit dar und ist die häufigste Erkrankung des Stütz- und Bewegungsapparates.

Etwa 5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an arthrosebedingten Beschwerden, deren Häufigkeit mit steigendem Alter zunimmt. Im Jahre 2010 wird jeder fünfte in Deutschland von Arthrose betroffen sein.

Hinsichtlich der Arthrosehäufigkeit sind vor allem die Gelenke der unteren Extremitäten, primär die Kniegelenke und sekundär die Hüftgelenke betroffen. 

Die Arthrose führt zu folgenden Symptomen und Funktionsstörungen:

  Zunehmende Bewegungseinschränkungen, entsprechend dem Kapselmuster.

  Im Frühstadium Anlaufschmerz und Belastungsschmerz, im Spätstadium Dauerschmerz, sogar Nachtschmerz des betroffenen Gelenkes.

  Bild der akuten Gelenkentzündung mit Schwellung (Entzündungskaskade, Gelenkerguss).

  Umfangsminderung und Schwächung der gelenkführenden und gelenkzugehörigen Muskulatur.

  Insuffizienz des Bandapparates.

  Zunehmende Deformierung des Gelenkes.

  Einschränkung der Leistungsfähigkeit im Alltags- und Berufsleben.

  Krankheitsverarbeitungsstörung.

  Bio-psycho-soziales Krankheitsmodell.  

Arthrose – Ursachen  

Die Pathogenese der Arthrose ist nach übereinstimmender Meinung ein multifaktorielles Geschehen, bei welchem die zunehmende Knorpeldestruktion eine zentrale Rolle einnimmt.

Verschiedenste Faktoren können zu einem Knorpelschaden mit Knorpelabrieb und parallel verlaufenden Entzündungsprozessen führen.  

A – individuelle körperliche Risikofaktoren für Arthrose  

  • Übergewicht
  • Verletzungen und posttraumatische Fehlstellung, die die natürliche Gelenkfunktion beeinträchtigen
  • Angeborene bzw. wachstumsbedingte Fehlstellung von Gelenken und Knochen (z.B. Fußfehlstellung, X- oder O-Beine, Hüftdysplasie)
  • Stoffwechselerkrankungen (z.B. Gicht)
  • Bindegewebserkrankungen (Kollagenosen, wie Lupus erythematodes)
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen

B – mögliche arbeitsbezogene Risikofaktoren für Arthrose  

  • Schwere körperliche Arbeit (Heben und Tragen von Lasten)
  • Einseitige und monotone Belastungen (statische Muskelarbeit)
  • Ungünstige Haltung (Zwangshaltungen und repetitive Bewegungen)
  • Vibrationen 

Örtlich umschriebene, mechanische Überbeanspruchung von Knorpelpartien in Tragzonen eines Gelenkes bedingen eine vorzeitige Gelenkabnutzung. Am Kniegelenk stellt sich die Arthrose häufig als Folge einer Achsfehlstellung ein.  

Beim O-Bein oder X-Bein erfolgt die Kraftübertragung vom Oberschenkelknochen auf den Unterschenkelknochen nicht flächenhaft, sondern die Übertragungsfläche ist verkleinert und die Druckwerte dementsprechend erhöht.

                                                                   

Analog zum Kniegelenk resultiert auch im Hüftgelenk eine Knorpelüberbelastung mit sekundärer Knorpelschädigung und Arthrose bei einem Missverhältnis zwischen Hüftkopf und Hüftpfanne. Bei einem normalen Hüftgelenk ist ein gut gerundeter Oberschenkelkopf von einer entsprechend großen Hüftgelenkspfanne überdacht, so dass die Kraftübertragung auf eine große Fläche verteilt wird. Bei angeborener, zu kleiner Hüftpfanne (Dysplasie) wird der Hüftkopf nicht vollständig überdacht, so dass sich hohe Druckbelastungszonen entwickeln.

                                                      

Auf dieses Missverhältnis der gelenkbildenden Flächen reagieren die Gelenke mit Knorpelabrieb, Entzündungsreaktion, Knorpeldefekten und Reaktion des unter dem Knorpel gelegenen Knochens, letztlich dem Vollbild der Arthrose.  

Heute werden Hüftgelenks - Arthrose in Folge einer angeborenen Hüftdysplasie durch die routinemäßigen Neugeborenenuntersuchungen mit Ultraschall der Hüftgelenke weitgehend vermieden. Eine angeborene Hüftfehlstellung lässt sich im Ultraschall frühzeitig und einfach erfassen und kann durch mehrmonatiges Tragen einer Spreizhose gut korrigiert werden. 

Bei Vorliegen einer rheumatischen Grunderkrankung entwickeln sich ebenfalls schwere Gelenkabnutzungen, die sich nicht auf ein Gelenk konzentrieren, sondern viele Gelenke ergreifen.

Eine chronische Polyarthritis tritt familiär gehäuft auf, es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung. Die Entzündungsreaktionen stehen bei der rheumatischen Grunderkrankung im Vordergrund. Diese beschränken sich nicht nur auf die Gelenkinnenhaut, sondern auch auf Knorpel, Bänder und Knochen.  

Die typische klinische Symptomatik eines Rheumagelenkes ist gekennzeichnet durch Entzündungszeichen wie Gelenkschwellung, Gelenkrötung und Übererwärmung, Schmerz und zunehmender Gelenkzerstörung. In akuten Phasen der chronischen Polyarthritis lassen sich Entzündungsparameter im Blut laborchemisch nachweisen.

Beim Vorliegen einer Gicht können sich sekundär schwere Gelenkarthrosen entwickeln. Harnsäurekristalle werden im Gelenk abgelagert und verursachen eine Gelenkinnenhautentzündung. Das führt sekundär zur Gelenkzerstörung und zu Gelenkdeformierung, also zur Arthrose.  

Von den gichttypischen Gelenkveränderungen sind vor allem die Großzehengrundgelenke und mit weitem Abstand Sprung-, Hand-, Fußwurzel-, Knie- und Fingergelenke betroffen.

                                                        

Arthrose – Klinisches und röntgenologisches Bild  

Ein gesundes Gelenk zeigt Gelenkflächen, die mit abriebfesten, elastischen hyalinem Knorpel von glatter Oberfläche bedeckt sind. Die im Gelenkspalt befindliche Gelenkflüssigkeit versorgt den Gelenkknorpel mit Nährstoffen. Gesunder Gelenkknorpel ist reißfest und strukturell stabil, aber auch elastisch und dadurch in der Lage, hohe Stoß- und Druckbelastungen zu tolerieren. Die Gelenkknochen mit glatten Knorpeloberflächen ermöglichen eine reibungsfreie Bewegung. 

Bei Gelenkverschleiß zeigt der Gelenkknorpel eine rauhe, aufgefaserte Oberfläche. Er hat an Elastizität eingebüßt und kann so die mechanischen Belastungen nicht mehr abfedern. Kleine Knorpelteilchen splittern ab und befinden sich in der Gelenkflüssigkeit, so dass die „Schmierung“ des Gelenkes erschwert ist. Die flottierenden Knorpelteilchen provozieren eine Gelenkinnenhautreizung und akute Entzündung. 

                                                      

Dadurch wird eine Entzündungskaskade in Gang gesetzt mit Freisetzung von Enzymen, die den Gelenkknorpel weiter zerstören und die Entzündungsreaktion aufrecht erhalten. Die gereizte Gelenkinnenhaut produziert daraufhin mehr als das übliche Maß an Gelenkflüssigkeit, so dass ein Gelenkerguss mit starken Schmerzen und Anschwellung des Gelenkes entsteht.  

Durch den defekten Gelenkknorpel werden die darunter liegenden Gelenkknochen so stark belastet, dass es zu einer „Abwehr“-Reaktion des Knochens kommt. Der Knochen will dem hohen mechanischen Druck etwas entgegensetzen und bildet neue Knochenmasse in Form von Randanbauten (Osteophyten) und Oberflächenverhärtung. Die verbreiterte Gelenkfläche des Knochens stört die Bewegungsmuster und reizt zusätzlich die Gelenkinnenhaut. Das bedeutet für den Patienten zunehmende Bewegungsschmerzen und Bewegungseinschränkung. Bei jeder Bewegung entsteht aufgrund der unebenen, miteinander artikulierenden Gelenkflächen ein deutliches Reibegeräusch.  

Das Frühstadium der Arthrose ist durch Anlaufschmerz, Ermüdungsschmerz und Belastungsschmerz gekennzeichnet. Im Spätstadium der Arthrose geht die Schmerzsymptomatik in einen Dauerschmerz, sogar Nachtschmerz über und erfasst auch die umgebende und gelenkzugehörige Muskulatur.  

Bei Gelenkverschleiß im Bereich der unteren Extremitäten ist letztlich schmerzbedingt die Geh- und Stehfähigkeit eingeschränkt. Entsprechend der Kapselmuster nimmt die Beweglichkeit eines arthrotischen Gelenkes ab.  

Die Kardinalsymptome der Arthrose bestehen im Schmerz, Reibegeräusch und Bewegungs- und Funktionseinschränkung.

Arthrose – Therapie  

Die Arthrose ist bis heute nicht „heilbar“. Keine der dargestellten Therapiemethoden ist in der Lage, den Arthrose - Prozess nachweisbar aufzuhalten oder das Gelenk in einen „gesunden“ Zustand zurückzuführen.  

  • Gelenk- und Arthroseschule mit Darstellung individueller Risikofaktoren und Vermittlung von gelenkgerechten Verhaltensstrategien
  • Informationen über geeignete sportliche Aktivitäten
  • Physikalische Therapie
  • Krankengymnastik (zentrale Bedeutung im Rahmen der konservativen Arthrosetherapie, unter der Zielsetzung von Bewegungsverbesserung, Dehnung verkürzter Band- und Muskelstrukturen und muskulärem Aufbau)
  • Ergotherapie: Umfassende Information zum Gelenkschutz, indikationsgerechte ergonomische Versorgung zur Erleichterung gelenkbeanspruchender Alltags- und Berufsverrichtungen, Üben von Arbeitstechniken unter dem Gesichtspunkt Gelenkschonung
  • Orthopädietechnik (ggf. Einleitung indikationsgerechter Versorgungen – Einlagen, Weichbettungen, Pufferabsätze, Gelenkbandagen im Einzelfall)
  • Psychologie (Vermitteln von Schmerzbewältigungsstrategien und Entspannungsverfahren
  • Medikamentöse Behandlung, inklusive intraartikulärer Injektionen
  • Sozialberatung (zu Fragen des GdB oder evtl. beruflicher Umorientierung)

Medikamentöse Therapie bei Arthrose  

Ziel der medikamentösen Arthrose - Therapie besteht in der Entzündungshemmung und Schmerzlinderung.  

Es wurde dargestellt, dass eine ausgeprägte Entzündung der Gelenkinnenhaut den Knorpelabbau beschleunigt und den Gelenkverschleiß dadurch verstärkt. Dieser unglückselige Kreislauf soll medikamentös unterbrochen werden. Bei Gelenkergüssen sollte umgehend punktiert werden. Bei wiederkehrenden Gelenkergüssen, z.B. im Rahmen einer rheumatischen Grunderkrankung, kann ein cortisonhaltiges Medikament in das Gelenk verabreicht werden, um den Entzündungsprozess nachhaltig zu stoppen.  

Von wiederholten intraartikulären cortisonhaltigen Injektionen ist jedoch abzuraten.  

In das Gelenk können auch sogenannte Chondroprotektiva (Hyalart, Synvisc) gespritzt werden. Diese Stoffe haben eine große Ähnlichkeit mit gesunden Knorpelbestandteilen und sollen weitere Knorpeldestruktion aufhalten und durch Hemmung entzündungsfördernder Enzyme den Entzündungsmechanismus bremsen und damit eine Schmerzreduktion und Funktiongsverbesserung bewirken.  

Wirkungsvolle Entzündungshemmer und Schmerzmittel sind die nicht steroidalen Antirheumatika (z.B. Voltaren oder Ibuprofen). Der Nachteil dieser Medikamentengruppe besteht in der schlechten Magenverträglichkeit und Reizung der Magenschleimhaut. 

Die COX-2-Hemmer Vioxx und Bextra wurden wegen Nebenwirkungen vor kurzem vom Markt genommen. Für den COX-2-Hemmer Celebrex wurden neue Warnhinweise verfügt. Auch vom Celebrex soll ein erhöhtes kardiovaskuläres und gastrointestinales Risiko ausgehen. Außerdem besteht eine Kontraindikation für Patienten mit kurz zurückliegender Bypass-Operation. 

Beim Vorliegen einer systemisch-entzündlichen Erkrankung (rheumatische Grunderkrankung) als Ursache für die Arthrose, muss die Grunderkrankung suffizient medikamentös behandelt werden. Das geschieht durch Substanzen, die grundlegend in den Krankheitsprozess eingreifen, sogenannte Basisrheumatika. Dazu gehören Chloroquin / Hydroxychloroquin (Resorchin, Quensyl, D-Penicillamin, Goldsalz. Immunsupressiva, wie Methotrexat (Ciclosporin), werden mit sehr gutem Erfolg bei der chronischen Polyarthritis angewandt.  

Sollten die genannten Basistherapeutika versagen, so kann man über den Zytokinkreislauf in das begleitende Entzündungsgeschehen eingreifen. Man unterscheidet Zytokine (= Oberbegriff für zahlreiche körpereigene Substanzen), die die Entzündung fördern von Zytokinen, die die Entzündung hemmen.

Bei Patienten mit chronischer Polyarthritis (rheumatische Grunderkrankung) werden die Zytokine IL-1-Beta und Tumornekrosefaktor Alpha als entzündungsfördernde Zytokine in erhöhten Maße gebildet. Ist der chronische Entzündungsprozeß durch die Basistherapeutika nicht zu stoppen, finden Tumornekrosefaktor-Alpha-Hemmer (Remicade oder Enbrel, Arava) Einsatz.  

Die Behandlung mit Tumornekrosefaktor-Alpha-Hemmern ist eine neue innovative Therapie, die noch speziellen Rheumazentren vorbehalten ist. Sollte eine Gicht als Ursache für die Gelenkveränderung vorliegen, behandelt man mit Medikamenten, die einem erhöhten Harnsäurespiegel im Blut entgegenwirken. Parallel dazu ist die Lebensführung und der Lebensstil des Gichtkranken (Ernährung) zu beeinflussen (Kost- und Diätberatung).  

Unkonventionelle medikamentöse Therapie bei Arthrose  

Aus der Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) ist bekannt, dass Weihrauch und Brennnesselextrakt entzündungshemmend wirken. Durch Brennnesselextrakt (z.B. Hox-Alpha) wurde bei Untersuchung im Labor die Bildung vom Tumornekrosefaktor-Alpha und Interleukin 1 gehemmt.  

Teufelskralle, aus dem südwestlichen Afrika stammend, führt zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung bei Gelenkverschleiß.  

Medikamentöse Schmerztherapie bei Arthrose  

Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist, ständige Bewegungs- und Belastungsschmerzen verursacht und dadurch auch der Nachtschlaf gestört ist, drehen sich die Gedanken des Betroffenen nur noch um seine Schmerzen.  

Mit der Zeit entwickelt sich eine eigenständige Schmerzkrankheit. Die Schmerzen werden dann nicht nur im erkrankten Gelenk verspürt, sondern sie strahlen auch in andere Körperbereiche aus – letztlich wird der Erkrankte depressiv, fühlt sich unverstanden und tritt sozialen Rückzug an.  

Schmerzbedingt nimmt die Bewegungsarmut zu, so dass ein schlechter Kreislauf von Bewegungsarmut, Muskelschwund und Gelenkeinsteifung in Gang kommt. Bei diesen Patienten mit chronischem Arthrose - Schmerz empfiehlt sich eine Behandlung nach dem Stufenplan der WHO.  

Sofern die Schmerzmittel der ersten Stufe, wie Diclofenac oder Ibuprofen, nicht mehr ausreichen, werden in der zweiten Stufe schwach wirksame Opioide verordnet, z.B. Tramadol oder Tilidin.  

Wenn auch diese Schmerzmittel nicht ausreichend wirksam sind, so wird der behandelnde Arzt auf stark wirksame Opioide wie Fentalylpflaster oder Morphin-Präparate zurückgreifen müssen. Das trifft auch dann zu, wenn eine operative Versorgung des Gelenkverschleißes aufgrund von Risikofaktoren nicht möglich ist.  

Zur Behandlung chronischer Schmerzzustände gehört auch die Einnahme von Antidepressiva. Der antinozizeptive Effekt von Antidepressiva ist unabhängig von der antidepressiven Wirkung selbst. Das bedeutet, dass durch die Gabe von Antidepressiva keine Depression behandelt werden soll, sondern ein eigener schmerzlindernder Effekt genutzt wird.  

Dem Betroffenen sollte klar sein, dass die Behandlung mit Antidepressiva hier nicht zur Therapie von psychischen Auffälligkeiten Einsatz findet, sondern zur „Anhebung der Schmerzschwelle“.  

Ergotherapie bei Arthrose  

In der Ergotherapie werden kreative Aktivitäten genutzt, um Gelenkfunktionen zu verbessern. Ergotherapeuten vermitteln umfassende Informationen zum Gelenkschutz. Arbeitstechniken unter dem Gesichtspunkt der Gelenkschonung und Vermeidung von Gelenkfehlbelastung werden vermittelt und geübt.  

Ergonomische Versorgungen (z.B. Schuhlöffel, Schuh- und Strumpfanziehhilfe, anatomische Griffgestaltung) erleichtern bestimmte gelenkbeanspruchende Alltagsverrichtungen.
 
Orthopädietechnik bei Arthrose  

Orthopädietechnische Maßnahmen sind geeignet, in verschiedenen Stadien der Erkrankung Erleichterung zu verschaffen.  

Bei schwerer Arthrose im Gelenkbereich der unteren Extremitäten kann ein Gehstock auf der Gegenseite oder auch 2 Unterarmgehstützen Sicherheit und Entlastung der betroffenen Extremität bieten. Es stehen verschiedenste Einlagen und Schuhzurichtungen zur Entlastung der Arthrose - Gelenke im Zeh-, Sprung-, Kniebereich zur Verfügung. Vorteilhaft sind dämpfende Einlagen oder Absätze (Weichbettung, Pufferabsätze), wodurch Stoßbelastungen im Gelenkbereich der unteren Extremitäten minimiert werden können. Versorgungen mit Gelenkbandagen sind im Einzelfall, z.B. bei bandinstabilen Kniegelenken notwendig. Im Allgemeinen haben sie weniger einen mechanischen - als vielmehr einen psychisch-aktivierenden Effekt.  

Bei Verordnung einer Bandage oder stabilisierenden Orthese gilt es immer zu bedenken, dass eigene Muskulatur entlastet - und sich dadurch weiter zurückbilden wird.
 
Physikalische Therapie und Krankengymnastik bei Arthrose  

Der Krankengymnastik kommt die zentrale Bedeutung im Rahmen der konservativen Arthrose -Therapie zu. Sie dient der Bewegungsverbesserung im Gelenkbereich, Dehnung verkürzter Band- und Muskelstrukturen und dem muskulären Aufbau. Insbesondere im Frühstadium der Arthrose gilt, dass Bewegung Wunder wirkt.  

Durch krankengymnastische Übungsbehandlung durchbricht man den unglückseligen Kreislauf von Muskelabbau, Schmerzzunahme, Abnahme der Aktivität und weiterer Muskelumfangsminderung.  

Auch Techniken der manuellen Therapie können im frühen Erkrankungsstadium gut eingesetzt werden zur Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit sowie zur Entspannung der umgebenden Weichteile.  

Übungsbehandlung im Bewegungsbad ermöglicht, unter Aufhebung der Eigenschwere ein schmerzarmes Üben der degenerativ veränderten Gelenke. Positive Zusatzeffekte sind der Wasserauftrieb und die Volumenwärmewirkung.
 
Wärme oder Kälte bei Arthrose?  

Bei akuter Gelenkreizung ist meist Kältebehandlung angezeigt. Diese kann in Form von kalten Moorpackungen, Eispackungen oder Eisabrieb, Kaltluft oder in Kältekammern verabreicht werden. Längerfristig angewandte Kälte (15 bis 20 Minuten) führt zu muskulären Entspannung. Häufig werden Kälteanwendungen krankengymnastischen Übungsbehandlungen vorgeschaltet, da sie die Schmerzschwelle anheben.  

Örtliche Wärmeanwendungen sind bei „entzündungsfreier“ Gelenkabnutzung indiziert. Die Wärme wirkt bei Arthrosen muskelentspannend, durchblutungsfördernd und schmerzlindernd. Wärmeanwendung gibt es in Form warmer Auflagen, Wärmestau unter Wickel, heißen Moor- und Fango- oder Heublumenpackungen oder in Form von warmen Wasserbehandlungen, wie z.B. Arm- oder Fußbädern.  

Elektrotherapie ist wirksam bei akuten und chronischen Arthrose - Schmerzzuständen. Besonders diadynamische Ströme und mittelfrequente Ströme haben sich als vorteilhaft erwiesen. Manche Stromformen (Galvanisation, Kurzwelle) bewirken neben der Schmerzlinderung auch eine Gewebeerwärmung und dienen dadurch der Entspannung des gelenkumgebenden Gewebes.

Operative Therapiemethoden bei Arthrose  

Arthroskopische Gelenkspülung und Knorpelglättung  

Dieser arthroskopische Eingriff bringt kurzfristig Erfolgsraten von bis zu 80% und mittelfristig zufriedenstellende Ergebnisse von 50% bis zu 5 Jahren. Nachteil ist, dass weder ein Knorpelregenerat gebildet, noch die weitere Arthroseentwicklung nachhaltig beeinflusst wird.  

Verfahren zur Knorpelneubildung bei Arthrose  

Es gab in der Vergangenheit schon viele Versuche, die Knorpelneubildung operativ anzuregen. Man hat es mit Bohrungen (Bridiebohrung) oder mit Mikrofrakturierung, die in dem Bereich des Defektes gesetzt wurden, versucht.  Durch die Eröffnung des subchondralen Knochens kommt es zu einer Öffnung von intraossären Blutgefäßen mit lokaler Bildung und Anlagerung eines Blutkoagels. Die darin enthaltenen mesenchymalen Stammzellen aus dem Knochenmark und Zellen aus der membrana synovialis sollen zu einem Faserknorpel differenzieren.  

Biomechanische Testungen zeigten eine deutlich geringere Belastbarkeit des Knorpelersatzgewebes im Vergleich zum hyalinen Knorpel. Der gebildete Faserknorpel ist den mechanischen Anforderungen im Gelenkbereich längerfristig nicht gewachsen, so dass diese Versorgung nicht den gewünschen Langzeiteffekt brachte.  

Zelltransplantation bei Arthrose  

Bei dieser modernen Methode wird intaktes Knorpelzellgewebe aus wenig belasteten Gelenkarealen gewonnen, daraus Chondrozyten isoliert und in der Zellkultur vermehrt. Diese Zellkultur wird dann auf den Knorpeldefekt in der Belastungszone aufgebracht und mit einem Knochenhautlappen abgedeckt. Durch diese Methode bildet sich ein belastbarer Ersatzknorpel, jedoch ist diese Behandlung nur kleinen Knorpeldefekten an bestimmten Gelenkarealen vorbehalten.  

Knorpelknochentransplantation bei Arthrose 

Durch Knorpelknochentransplantation werden recht gute Resultate erzielt, wenn man die Ergebnisse mit Nachuntersuchungszeiten von bis zu 9 Jahren berücksichtigt. Die Knorpelknochentransplantation ist nur für begrenzte Defekte mit intakter Umgebung einzusetzen, nicht bei großflächigen Knorpelverschleiß. Außerhalb der Hauptbelastungszone des Gelenkes wird ein Knorpelknochenzylinder entnommen und in den Knorpeldefekt eingebracht.

Manchmal sind mehrere Stanzen notwendig, um den Knorpeldefekt auszufüllen. Nachuntersuchungen haben bei dieser Methode in der transplantierten Zone einen hochwertigen belastbaren Knorpel gezeigt.  

Operative Achskorrekturen bei Arthrose 

Bei angeborenen oder posttraumatischen Fehlstellungen sollte die operative Achskorrektur des Gelenkes durchgeführt werden, um dem Entstehen oder Voranschreiten der arthrotischen Deformierung entgegen zu wirken. Die operative Achsumstellung ist im Einzelfall zu besprechen und zu entscheiden. Achskorrekturen als gelenkerhaltende Operationen sind durch die Studienlage mit ansprechenden Langzeiteffekten gut belegt.

Prothetischer Gelenkersatz   bei Arthrose

Bei schwerster Gelenkdestruktion mit ständigem Schmerz, Bewegungseinschränkung und Verminderung von Mobilität und Lebensqualität ist, vor allem im Hüft- und Kniegelenk, die Indikation zum Einbau eines Kunstgelenkes gegeben. Die Kunstgelenkimplantation ist für den Arthrosepatienten ein segensreicher Eingriff.

Einen guten OP-Erfolg vorausgesetzt, wird dadurch der Arthroseschmerz und der entzündliche Reizzustand beseitigt sowie die Gelenkbeweglichkeit verbessert.  

Der Operierte ist nach relativ kurzer Nachbehandlung in der Lage, schmerzfrei zu laufen und Treppen zu steigen, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu verrichten und besser am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, so dass die Lebensqualität insgesamt durch diesen operativen Eingriff deutlich verbessert wird.

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Aktualisiert: Juni 2010

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